„… trotzdem Ja zum Leben sagen“ 1

„… trotzdem Ja zum Leben sagen“ – Viktor Frankl

Ein Buch, das ich vor Kurzem gelesen habe und das mir so viel Hoffnung gegeben hat.
Ich möchte einige Stellen daraus zitieren:

„… und der löst ihm die Zunge, und nun beginnt er zu erzählen, stundenlang. Da entlädt sich der jahrelange Druck, der auf ihm gelastet hat, und vielfach macht dieses Erzählen den Eindruck, als ob der Betreffende unter einer Art seelischem Zwang stünde, so dranghaft ist dieses Erzählen, dieses Redenmüssen. … Tage vergehen, viele Tage, bis sich nicht bloß die Zunge löst, sondern irgendetwas im Inneren gelöst wird, und bis dann plötzlich das Gefühl eine Bresche schlägt in jene hemmende Barriere, von der es bis dahin noch gehemmt war.“
S. 134 (Die dritte Phase: Nach der Befreiung aus dem Lager)

Es wäre vermessen, das, was diese Menschen in den KZs erlebt haben, mit mir und meinem Trauma zu vergleichen, doch in der Aufarbeitung gibt es durchaus Parallelen.

Diese Phase des Erzählens-Müssens war für mich sehr, sehr wichtig. Und nein, es ging mir dabei oft nicht gut bzw. ich bin hinterher oft abgestürzt. Und doch war diese Phase so sehr entscheidend, und sie darf aus meiner Sicht nicht abgekürzt oder gar umgangen werden.

Natürlich braucht es einen sicheren und geborgenen Rahmen, und meine Geschichte ist nicht für jedes Ohr geeignet. Das musste ich auch schmerzhaft erfahren und lernen. Doch an den richtigen Stellen, bei den richtigen Personen, ist es unglaublich heilsam, einfach reden zu dürfen. Mit jedem Erzählen wird der Schmerz etwas weniger, und irgendwann löst sich etwas im Inneren – die Zeit wird reif, weiterzugehen.

Ich danke den Menschen, denen ich meine Geschichte erzählen durfte, die mir zugehört haben, die Verständnis für mich hatten, die meine Tränen aushalten konnten, die meinen inneren Zwang verstanden haben und mir den Raum gehalten haben.

Das waren so wertvolle und heilsame Gelegenheiten.

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